Ein eigenes Deck entsteht nicht aus dem Nichts. Die Datenbasis liefert die Inhalte: 78 Tarot-Karten, 24 Runen und 30 Kristalle. Das Design liefert die Beziehung zwischen Bild und Bedeutung – und die Frage nach der Herkunft der Bilder. Der Text zeigt drei Wege, erklärt den Aufbau und benennt genau diese Frage, die dabei am häufigsten übersehen wird.
Hinweis: Die Datenbasis liefert Inhalte; die Gestaltung folgt persönlicher Reflexion. Das Deck ist ein Reflexionsinstrument, keine medizinische oder prophetische Aussage.
Weg 1: Tarot-basiert (78 Karten)
- Die bestehenden Bedeutungen als Textvorlage nutzen.
- Bilder durch eigene Symbole ersetzen – nicht als Ersatz der Bedeutung, als persönliche Übersetzung.
- Die Nummerierung beibehalten: 0 bis 21 für die Major Arcana, je 1 bis 10 plus vier Hofkarten für die vier Farben.
Der Vorteil dieses Wegs ist die Vollständigkeit: Wer alle 78 Karten gestaltet, hat ein Deck, das jede bestehende Legung tragen kann. Der Nachteil ist der Aufwand. Wer ihn scheut, kann mit den 22 Major Arcana beginnen und die Minor später ergänzen.
Weg 2: Kombiniert (Tarot und Runen)
- 22 Major Arcana als Kern.
- 24 Runen als Zusatzkarten für knappe Fragen.
- Keine Pflicht zur Vollständigkeit – ein Teil-Deck ist ein gültiges Reflexionsinstrument.
Diese Variante mischt zwei Systeme mit unterschiedlicher Herkunft. Das ist erlaubt, solange die Herkunft sichtbar bleibt: Die Karten stammen aus dem Tarot des 15. Jahrhunderts, die Runen aus einem Schriftsystem des frühen Mittelalters, und beide wurden erst später zu Orakeln gemacht. Wer das im Begleitheft erwähnt, erspart sich die Behauptung, ein „uraltes“ System erfunden zu haben.
Weg 3: Ein kleines Deck
Wer wenig Zeit hat, beginnt mit zwölf Karten: vier Elemente, vier Jahreszeiten, vier Lebensbereiche. Ein kleines Deck hat den Vorteil, dass die Bedeutungen sitzen, bevor die Bilder aufwendig werden. Es hat den Nachteil, dass Kombinationen schnell an Wiederholung leiden.
Die Größe ist keine Qualitätsfrage. Ein Deck mit 24 selbst gezeichneten Karten, das regelmäßig benutzt wird, leistet mehr als ein vollständiges Deck, das in der Schublade liegt.
Aufbau und Nummerierung
Die Datenbasis führt das Tarotdeck unter der Kennung nachtatelier-v1 mit 78 stabilen Identitäten. Für ein eigenes Deck lohnt es sich, dieselbe Struktur zu übernehmen:
- Major Arcana: 0 bis 21, je eine Karte mit eigenem Namen.
- Minor Arcana: vier Farben, je ein Ass, die Zahlen 2 bis 10 und vier Hofkarten.
- Rückseite: ein einziges Motiv, damit die Karten verdeckt gleich aussehen.
Wer die Struktur übernimmt, kann bestehende Legemuster weiterverwenden. Wer sie ändert, sollte die Änderung im Begleitheft erklären – sonst passen Anleitungen und Deck nicht zusammen.
Rechte und Herkunft
Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird: Bilder haben Rechte. Das Projekt dokumentiert zu jedem Kristallfoto eine Lizenzangabe mit Urheber, Quelle und Änderungen; der Medienkatalog führt diese Angaben zusammen. Wer für ein eigenes Deck Fotos aus dem Netz verwendet, sollte dasselbe tun – oder besser: eigene Fotos, eigene Zeichnungen, gemeinfreie Motive.
Ein Begleitheft mit einer kurzen Herkunftsangabe pro Bild ist keine Bürokratie, sondern der Unterschied zwischen einem Deck, das man zeigen kann, und einem, das man verstecken muss.
Die erste Legung
Die erste Legung mit dem neuen Deck ist nicht das Ziel, sondern der Anfang der Beziehung. Bewährt hat sich eine einfache Übung: alle Karten offen auslegen, drei auswählen, die anziehen, und eine, die abweist. Zu jeder Karte einen Satz notieren. Danach das Deck mischen und eine Karte für den nächsten Tag ziehen.
Nach einigen Wochen zeigt sich, welche Karten häufig kommen. Diese Karten sind die eigenen – nicht weil sie magisch sind, sondern weil die eigene Aufmerksamkeit sie wählt.
Was ein Deck nicht leisten muss
Ein eigenes Deck muss keine Vollständigkeit erreichen, keine Tradition erfüllen und keine Prüfung bestehen. Es muss nur eines: Die Bilder müssen beim Lesen etwas auslösen, das ohne sie nicht da wäre. Wer das erreicht, hat ein Deck. Alles andere ist Ausstattung.